Objektüberwachung

PDF: 20160705_VL_11_Objektüberwachung

Einführung Baudurchführung und Bauüberwachung

Wie oft ein Architekt die Baustelle aufsuchen muss, um seiner Aufgabe der Bauüberwachung gerecht zu werden, ist nicht genau festgelegt. Es wird jedoch empfohlen, die Arbeiten in angemessener Weise zu überwachen, so dass man den reibungslosen Ablauf gewährleisen kann. Zur Abwicklung besonders wichtiger Bauabschnitte sollte der Architekt anwesend sein.

Inhalte

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Koordinierung an der Objektüberwachung fachlich Beteiligter

Der Architekt hat die Aufgabe, für eine schnelle und unkomplizierte Bauwerkserstellung zu sorgen. Dabei hat er für das Ineinandergreifen aller im Zuge der Bauwerksverwirklichung zu erbringenden Leistungen zu sorgen, sei es in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht. In Bezug auf die zeitliche Koordinierung muss der Architekt die Reihenfolge der zu erbringenden Leistungen so festlegen, dass Baubeteiligte sich nicht gegenseitig behindern, fertiggestellte Teile des Bauwerks nicht durch Folgearbeiten beschädigt werden und die Aufeinanderfolge zeitsparend und ökonomisch ist. Zudem muss er sicherstellen, dass kein Baubereich im Laufe der Ausführung ohne fachkundige Aufsicht ist.

Aufstellen und Überwachen eines Zeitplanes

Um die zeitlichen Abfolgen übersichtliche koordinieren zu können, erstellt und überwacht der Architekt einen Zeitplan, was Teil der fünften Grundleistung ist. Dieser Plan dient allein den Koordinierungsaufgaben des Architekten.

Der Zeitplan ist in Form eines Balkendiagramms zu erstellen und hat die Angaben über den Beginn und das Ende der Bauleistungen aufzuzeigen. Der Zeitplan ist nur eine einfache Auflistung der Ausführungszeilen für die einzelnen Unternehmen und/ oder Bauteile, Einzelheiten müssen nicht dargestellt werden.

Führen eines Bautagesbuchs

Die sechste Grundleistung enthält die Dokumentation des Bauablaufs, was durch das Führen eines Bautagebuchs geschieht. Hier werden alle wesentlichen Vorgänge bei der Bauwerkserrichtung aufgenommen, die im Hinblick auf spätere Gewährleistungsprozesse von Bedeutung sein könnten, z.B.
-Arbeitsbedingungen auf der Baustelle
-Beanstandungen
-Beurteilungen von Lieferungen
-personeller und örtlicher Einsatz der Unternehmer
Der Architekt muss die Einträge nicht vom Bauunternehmer gegenzeichnen lassen. In kritischen Fällen sollte er es dennoch versuchen, da das die Aussagekraft des Dokuments erhöht. Kann das Bautagebuch ein Beweismittel in einem Schadensfall gegenüber einem der beteiligten Bauunternehmer werden, so kann es auch ein Beweismittel gegen den Architekten werden, wenn dieser das Tagebuch nicht ordentlich geführt hat und dem Bauherrn dadurch wirtschaftliche Nachteile entstehen.

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Qualitätsmanagement im Architekturbüro

Qualitätsmanagement und Werkvertragsrecht

 

„Qualität“ ist „Beschaffenheit“, also die Summe der Projektziele, die der Bauherr dem Architekten als Aufgabenstellung anvertraut hat. Das (Haupt-)Ziel eines Qualitätsmanagement-Systems ist das optimale Funktionieren von Arbeitsabläufen (Methoden) im Architekturbüro, um damit die Sicherung der Arbeitsergebnisse/Beschaffenheit des „bestellten Werkes“ ggf. bis zur Fertigstellung auf der Baustelle zu sichern. Welches Qualitätsmanagement-System man für die Erreichung dieser Ziele nutzt, bleibt jedem Unternehmer selbst überlassen. Ein eingeführtes funktionierendes System muss nicht unbedingt zertifiziert sein.

Ein Qualitätsmanagement-System kann weitere (Neben)-Ziele eines Büros unterstützen:

  • Mehr Sicherheit in der Projektbearbeitung
  • Weniger Fehler
  • Einfache Projektübergabe und Vertretung
  • Leichte Einarbeitung neuer Mitarbeiter
  • Besserer Informationsfluss
  • Effizienteres Arbeiten
  • Kontinuierliche Verbesserung
  • Zuverlässige Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit
  • Außenwirkung gegenüber den Auftraggebern
  • Bessere Kooperation in Planungsgemeinschaften
  • Verbesserung Ihres Kredit-Ratings (Nachweis durch Zertifizierung)

 

Inhalte

Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems

Qualitätsmanagement-Systeme sind in folgende Elemente unterteilt:

  • Handbuch: Das Handbuch bietet eine zusammengefasste Darstellung des kompletten Qualitätsmanagement-Systems, das Mitarbeiter und Planungspartner zu Rate ziehen können.
  • Verfahrensanweisungen: Es gibt zwei Arten von Verfahrensanweisungen. Die Prozess­Verfahrensanweisungen bieten genaue Anweisungen für alle Schritte eines Prozesses. Die Informations­Verfahrensanweisungen geben Anweisungen dafür, wie man mit Dokumenten und Daten umgehen sollte.
  • Arbeitsmittel: Checklisten, Formblätter und Muster sollen die tägliche Arbeit im Architekturbüro erleichtern. Checklisten können ausgefüllt und abgehakt werden, so dass Prozesse strukturiert und transparent bearbeitet werden können.

Kernprozesse im Architekturbüro

Zu den Kernprozessen (=Prozesse, mit denen im Büro Geld verdient wird) gehört die Projektdurchführung. Es werden vom Büro Planunterlagen hergestellt und die Herstellung des Bauwerks nach der geforderten Qualität (=Beschaffenheit) auf der Baustelle sichergestellt. Um die Projektdurchführung auf allen Ebenen mit der notwendigen Qualität gewährleisten zu können, sollten alle Abteilungen eines größeren Büros eigene Checklisten entwickeln.

Weiterführende Informationen zum Qualitätsmanagement finden Sie im Skript “Architekturpraxis-Grundlagenwissen”.

Verständnisfragen

  1. Welche Methode der Qualitätssicherung wird im Architekturbüro angewandt und warum?
  2. Wie wird die Wirtschaftlichkeit eines Projektes im Architekturbüro gemessen und gesteuert?
  3. Erläutern Sie den Unterschied von Dienst- und Werkvertrag?
  4. Welche Inhalte sind im Architektenvertrag besonders wichtig?


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Mengenermittlung nach VOB

VOB Teil C und Mengenabweichungen

Die Mengenermittlung ist während der Vorbereitung der Ausschreibung eine wesentliche Aufgabe des Architekten. Dabei gilt es, möglichst präzise Angaben über die ausgeschriebenen Leistungen und die benötigten Mengen zu machen.

Weitere Informationen zum Vortrag von Herrn Hasenbein finden Sie hier: www.hasenbein.de

PDF: 20160524_VL_5_Mengenermittlung_Hasenbeinmethode

Inhalte

Regeln zur Mengenermittlung

Um für das Angebot den Preis für die Leistung kalkulieren zu können, benötigt der Bieter genaue Angaben über die zu erbringende Leistung. Der Architekt hat in der Vergabevorbereitung die Aufgabe, die Leistungen zu beschreiben sowie die Mengen (Massen) genau anzugeben.

Hat er alle nötigen Angaben, kann der bietende Bauunternehmer einen Einheitspreis (Preise pro Einheit x Mengen aus Leistungsbeschreibung) ermitteln, der die Grundlage seines Angebotspreises ist. Die VOB/C nennt für jedes Gewerk spezielle Regeln zur Mengenermittlung. Bei einer Ausschreibung nach VOB für die öffentlichen Auftraggeber sind diese Regeln verbindlich anzuwenden.

Die Mengenermittlung am Beispiel von Mauerarbeiten finden Sie im Skript.

Bauleistungen werden in der Regel durch einen Einheitspreisvertrag vergeben. Nach der Auftragsabwicklung wird für die Abrechnung der Bauleistungen allerdings das tatsächlich entstandene Werk zugrunde gelegt – nicht die Mengenermittlung. Kommt es dann durch falsche oder ungenaue Angaben in der Ausschreibung zu realen Mengenabweichungen um mehr als 10 Prozent, können sowohl der Bauunternehmer wie auch der Bauherr einen geänderten Einheitspreis verlangen.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Architekt bei der Mengenermittlung sehr exakt ist und diese Ermittlung nach den Abrechnungsregeln des jeweiligen Gewerkes der VOB/C erfolgt.

Vergütung bei Mengenabweichungen

Kommt es zu Mengenabweichungen, ändert sich die Kalkulationsgrundlage, denn in jedem Einheitspreis ist neben den herstellungsabhängigen Kosten (Einzelkosten der Teilleistungen) auch eine Umlage der Gemeinkosten der Baustelle, der allgemeinen Geschäftskosten sowie für Wagnis und Gewinn enthalten.

Mengenreduzierungen: Der Anteil der Gemeinkosten, der für dieses Bauvorhaben kalkuliert wurde, wird nicht mehr voll abgedeckt. Der Auftragnehmer hätte bei Kenntnis der tatsächlich auszuführenden (geringeren) Mengen einen höheren Einheitspreis kalkuliert. Der Bauunternehmer wird in diesem Fall auf eine Anpassung des Preises drängen.

Mengenüberschreitungen: Der Auftragnehmer hätte bei Kenntnis der tatsächlich auszuführenden (größeren) Mengen einen niedrigeren Einheitspreis kalkuliert. Der Bauherr wird, wenn möglich, auf eine Änderung des Einheitspreises drängen.

Die Abrechnung nach der Auftragsabwicklung kann also zum Vor- oder Nachteil einer der beiden Parteien erfolgen. Die Regelung zur Änderung des Vertragspreise in § 2 Nr. 3 VOB/B bezieht sich nur auf die Fälle, in denen die Mengenmehrungen bzw. -minderungen ohne jede Entwurfsänderung und ohne jeden Eingriff des Auftraggebers veranlasst sind, sich also allein aufgrund falscher, ungenauer Schätzungen bei der Ausschreibung ergeben. Die nachträgliche Entwurfs- oder Ausführungsänderung stellt jedoch eine Teilkündigung, eine Auftragserweiterung oder Kombination diese Fälle dar. Hier gilt die Regelung §2 Nr. 3 VOB/B nicht und kann daher zu erheblichen Mehrkosten führen.

Weiterführende Informationen zur Mengenermittlung finden Sie im Skript “Architekturpraxis-Grundlagenwissen”.

Verständnisfragen

  1. Welche Regeln sieht die VOB bei Mengenabweichungen (Mehrungen/Minderungen der Menge) während Bauausführung vor?
  2. Wie wird der Preis bestimmt, wenn eine Entwurfsänderung zu Änderungen der Bauleistung führt?
  3. Wann ist eine Mengenänderung noch gering, so dass der Einheitspreis gleich bleibt?

 


Projektsteuerung

Projektsteuerung als Erfolgskriterium

Im Bericht Nr. 12/85 der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement sind unter dem Titel „Bauinvestitionscontrolling zur Vermeidung von Baukostenüberschreitungen und unwirtschaftlichem Bauen“ sieben „Todsünden“ genannt, die eine fristgerechte und qualitativ hochwertige Bauleistung verhindern könnten.

Inhalte

Die sieben 'Todsünden', die eine fristgerechte und qualitativ hochwertige Bauleistung verhindern könnten

1. Mängel in der Programmdefinition

ungenau, unvollständig, Veränderung von Anforderungen bis in die Realisierungsphase hinein, überdimensioniert oder überspezialisiert, ohne Kostenorientierung

2. Mängel in der Kostenermittlung

unzureichende Planunterlagen, mangelhafte Festlegung von Ausführungsqualitäten, falsche Methoden, zu spät, ohne Fortschreibung, ohne Berücksichtigung von Planungsänderungen, ohne Berücksichtigung konjunktureller Schwankungen

3. Zeitdruck, mangelhafte Terminplanung

Planungshektik, verfrühter Baubeginn bzw. zu frühe Baufreigabe, zu geringe Planungskapazität

4. Technische Planungsmängel

Fehldimensionierung in Bezug auf das Grundstück, mangelhafte Baugrunduntersuchung, fehlerhafte Leistungsverzeichnisse, insbesondere zu geringe Massenansätze, überzogene Planungsvorstellungen des Entwerfers, baurechtliche Auflagen im Nachhinein, Umwege der Genehmigung und Bezuschussung

5. Unklare Führungsverantwortung, Koordinationsfehler

unklare Entscheidungskompetenzen und Prüfungspflichten von dem Verwaltungschef sowie Planern untereinander, wechselnde Beteiligte, unklare Zuständigkeiten, unkoordinierte politische Einflussnahme bzw. politische Rücksichtnahme

6. Mangelnde Kontrolle

keine oder unzureichende Kontrollinstanzen, keine oder unzureichende Kontrollinformationen, kein Gegengewicht zu Interessenskoalitionen bzw. Fachbruderschaften

7. Politische Einflüsse

Unterlaufen des verwaltungsinternen Planungs- und Entscheidungsprozesses, Fachbruderschaften zwischen Verwaltung und Politik

Projektsteuerungsleistungen des Architekten

Um diese sieben „Todsünden“ möglichst zu vermeiden, werden oft Projektsteuerungsleistungen bei Architekten eingeholt. Diese übernehmen dann die delegierbaren Bauherrenaufgaben, zu denen folgende Leistungen zählen können:

  • Klärung der Aufgabenstellung, Erstellung und Koordinierung des Programms für das Gesamtprojekt,
  • Klärung der Voraussetzungen für den Einsatz von Planern und anderen an der Planung fachlich Beteiligten (Projektbeteiligte),
  • Aufstellung und Überwachung von Organisations-, Termin- und Zahlungs- plänen, bezogen auf Projekt und Projektbeteiligte,
  • Koordinierung und Kontrolle der Projektbeteiligten, mit Ausnahme der ausführenden Firmen,
  • Vorbereitung und Betreuung der Beteiligung von Planungsbetroffenen,
  • Fortschreibung der Planungsziele und Klärung von Zielkonflikten,
  • laufende Information des Auftraggebers über die Projektabwicklung und rechtzeitiges Herbeiführen von Entscheidungen des Auftraggebers,
  • Koordinierung und Kontrolle der Bearbeitung von Finanzierungs-, Förderungs- und Genehmigungsverfahren.

Die fünf Handlungsbereiche der Projektsteuerung

Diese Leistungen können in den folgenden fünf Handlungsbereichen erbracht werden:

  • Organisation, Information, Koordination und Dokumentation
  • Qualitäten und Quantitäten (Umsetzung von Qualitätsanforderungen)
  • Kosten
  • Termine
  • Recht

Können die Leistungen Handlungsbereichen zugeordnet werden, kann man sie auch in Anlehnung an die Leitungsphasen in folgende Projektphasen unterteilen:

  • Projektvorbereitung: Projektentwicklung und Grundlagenermittlung
  • Planung: Vor-, Entwurfs- und Genehmigungsplanung
  • Ausführungsvorbereitung: Ausführungsplanung, Vorbereiten und
  • Mitwirken bei der Vergabe
  • Ausführung: Projektüberwachung
  • Projektabschluss: Projektbetreuung, Dokumentation

Projektsteuerungsleistungen sind keiner Honorarordnung unterworfen, weshalb das Honorar frei verhandelbar ist. Architekten die bereits die Projektplanung eines Bauobjekts übernommen haben, sollten nicht die Stabsfunktion der Projektsteuerung übernehmen, da es hier zu Überschneidungen von Leistungen kommt.

Weiterführende Informationen zur Projektsteuerung finden Sie im Skript “Architekturpraxis-Grundlagenwissen”.

Verständnisfragen

  • Welche Leistungen übernimmt ein Projektsteuerer?